Brilon. „Spannender kann eine Zeitreise nicht mehr werden“, unterstrich Carsten Schlömer, Leiter des Briloner Stadtmuseums Haus Hövener, bei der gestrigen offiziellen Inbetriebnahme des nun fertiggestellten Projekts „3D-Panorama Briloner Marktplatz um 1900“.
Museumserlebnis neu gedacht
Seit der ersten Projektvorstellung und der Förderzusage im Frühsommer 2025 hat es eine Menge Feinschliff erfordert, um das Herzensprojekt des Museumsleiters in Zusammenarbeit mit dem Initiator Winfried Dickel, Vorsitzender des Briloner Heimatbundes – Semper Idem, auf den Stand zu bringen, der jetzt der Öffentlicheit zur Verfügung steht.
Ein Museumsbesuch mit statischem Betrachten alter Bilder, Schriften oder Exponaten ist oftmals gang und gäbe. Das Briloner Stadtmuseum ist bekannterweise da bereits auf anderen Wegen unterwegs und die moderne Technik hat im altehrwürdigen Haus Hövener schon lange Einzug gehalten. „Mithilfe eines Smartphones tauchen Gäste in die Geschichte der kleinen Stadt in Westfalen ein“, erklärte Museumsleiter Schlömer das Prozedere: „Ein einfacher QR-Code, der sich am Briloner Marktplatz befindet und jederzeit zugänglich ist, erlaubt es, einen Blick in die Vergangenheit vor über 100 Jahren zu werfen. Durch das Scannen des Codes erscheint das Panorama der Umgebung, wie sie im Jahr 1900 tatsächlich aussah. Je nachdem, wie das Handy ausgerichtet wird, blicken Gäste auf die digitale Rekonstruktion von historischen Gebäuden. Eine digitale Sprachausgabe rundet die visuellen Eindrücke ab.“
15 Infopunkte für tiefere Einblicke
Dann führte der studierte Fachmann der Geschichtswissenschaften mit dem Faible zur Nutzung moderner Techniken weiter aus: „Informationspunkte, die direkt auf dem Smartphone ausgewählt werden, bieten Erklärungen zu den einstigen Hausbesitzern und was sich in den Gebäuden befand. Dutzende von historischen Fotografien werden präsentiert. Ein Highlight sind die Animationen, die in Form von kurzen Videos über wichtige Traditionen wie das Schützenfest oder das christliche Leben aufklären. 15 solcher Informationspunkte sind eingepflegt. Unterhaltsam und spannend wird die Geschichte der Stadt und der Menschen den Gästen nähergebracht.“
Das bestätigte auch Brilons Bürgermeister Dr. Christof Bartsch: „Die ,Gute Stube‘ der Briloner ist mit seiner Geschichte hiermit hervorragend eingestellt, mit dem, was die moderne Technik heute möglich macht. Wir leben in einer Zeit der visuellen Betrachtung und man erkennt bei den 120 Jahren von 1900 bis jetzt die Dynamik der Stadtgeschichte.“
Ehrenamt als Motor des Projekts
„Wir bekommen Unterstützungen für unsere Projekte“, hob Winfried Dickel in seiner Rede besonders hervor: „Das Ehrenamt wird nicht bezahlt, weil es unbezahlbar ist. Wir freuen uns aber darüber, wenn die Bevölkerung, die Politik, die Wirtschaft, die Öffentlichkeit allgemein unsere Arbeit anerkennt. Das Projekt fördert die Identifikation der Bevölkerung mit unserer Stadt Brilon. Es dient aber auch den Gästen unserer Stadt, dem Einzelhandel und dem Wirtschaftsstandort Brilon allgemein.“
Ein solches Projekt bedarf neben viel Know-how auch Unterstützung finanzieller Art. Mit einer Förderung von bis zu 40.000 Euro machte die NRW-Stiftung das Projekt „3D-Panorama des Briloner Marktplatzes um 1900“ zusammen mit dem Briloner Heimatbund – Semper Idem möglich. „Geschichte kann eine Brücke sein, die die Menschen verbindet“, würdigte Carsten Schlömer die Unterstützung: „Das wissen die Verantwortlichen der NRW-Stiftung seit vielen Jahren. Deswegen fördert die Stiftung zahlreiche Projekte, die regionale Identität, Geschichtsvermittlung und innovative Kulturerfahrungen verbinden. Das jüngste Beispiel für einen solchen kulturellen Meilenstein ist das 3D-Panorama des Marktplatzes in der Stadt Brilon.“
Große Unterstützung – großes Interesse
Wie groß das Interesse an diesem Projekt des Museums ist, zeigte die große Zahl an hochrangigen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kulturschaffender, den beiden örtlichen Geldinstituten sowie weiteren Stiftern und Unterstützern bei der offiziellen Vorstellung am Freitagmittag. „Das 3D-Panorama des Briloner Marktplatzes macht Geschichte digital erlebbar, stärkt regionale Identität und eröffnet neue, generationenübergreifende Zugänge – ein Ansatz, den die NRW-Stiftung gerne unterstützt“, betonte das Vorstandsmitglied der NRW-Stiftung, Karl Peter Brendel. Der Vorsitzende des Briloner Heimatbundes Winfried Dickel und Museumsleiter Carsten Schlömer waren sich einig: Ohne die NRW-Stiftung wären die Kulturangebote, die allen Menschen offen stehen, so nicht möglich. Dafür sagten die beiden Projektinitiatoren „Danke!“.
Die Vielzahl solcher digitalen Angebote der Kulturvermittlung laden zum eigenen Entdecken einer westfälischen Stadt ein. Zentral am Marktplatz in Brilon steht das Museum Haus Hövener Besuchern offen.

Großer Bahnhof mit vielen Gästen und den Sponsoren auf dem Briloner Marktplatz
Foto: Manfred Eigner
