Elleringhausen. Die geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) sorgt seit Wochen bei Eltern und Erzieherinnen im Hochsauerlandkreis für wachsende Kritik und große Sorgen. Mit Plakataktionen unter dem Motto „Wir sind sprachlos“, einem offenen Brief an die Politik sowie einer umfangreichen Unterschriftensammlung haben Eltern und Erzieherinnen ihrem Protest zuletzt öffentlich Ausdruck verliehen. Begleitet wurde die Aktion durch zahlreiche Informationen über soziale Medien.
Eltern und Erzieherinnen formulieren Forderungen
Als Höhepunkt fand am Montagmorgen ein offenes Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten der CDU, Matthias Kerkhoff, in der Kindertagesstätte St. Laurentius in Elleringhausen statt. Im Mittelpunkt standen Kritikpunkte hinsichtlich Personalschlüssel, Kern- und Randarbeitszeiten, organisatorischen Änderungen im Kitaalltag, veränderten Abholzeiten, Dokumentationen, der möglichen Schließung von ein- und zweigruppigen Einrichtungen aufgrund der Kibiz-Reform sowie aufgrund großer finanzieller Unsicherheiten für Träger und Einrichtungen.
Erzieherinnen und Eltern fordern: Eine gute Bindung statt wechselndem Personal, ortsnahe Kindertagesstätten, die finanzierbar bleiben, Zeit für Gespräche zwischen Tür und Angel, eine wirkliche Kostenabdeckung, Verlässlichkeit und Stabilität, eine individuelle Begleitung der Kinder, die Förderung von Bildung, Entwicklung und Gemeinschaft, eine realistische Personalplanung sowie als wichtigsten Aspekt, Betreuung statt Verwahrlosung.
„Als heimischer Abgeordneter nehme ich ihre Sorgen ernst und werde für bessere Rahmenbedingungen kämpfen“, betonte Matthias Kerkhoff. „Ich kann ihre Argumente gut nachvollziehen und habe volles Verständnis für ihre Ängste. Wir benötigen mehr Verlässlichkeit und Stabilität. Es ist jedoch besser, die Kitas mit weniger qualifiziertem Personal offen zu halten, als die Einrichtung im Notfall komplett zu schließen.“
Zahlen zur frühkindlichen Bildung in NRW
Mit Nachdruck ergänzte der Landtagsabgeordnete der CDU diesbezüglich, dass nur pädagogische Fachkräfte wie z. B. Kinderpflegehelfer die Randzeiten in den Kitas abdecken dürften, nicht wechselnde, fachfremde Personen ohne fundierte Ausbildung, wie es häufig in den Medien dargestellt worden sei. Kerkhoff hob zudem weiter hervor, dass die Zahl der Kitaplätze in NRW seit 2010 um über 30 Prozent auf 631.000 gestiegen sei. Des Weiteren sei die Anzahl an Erzieherinnen von 92.000 auf 174.000 Personen angestiegen. Insgesamt würden im Haushaltsjahr 2026 bei steigenden Kosten von 500 Prozent 6,2 Milliarden Euro für frühkindliche Bildung bereitstehen sowie weitere 1,5 Milliarden Euro für Investitionen, um z. B. ältere Gebäude zu sanieren und auszustatten.
„Die Regelung zur Gestaltung der Kern- und Randzeiten wurde bereits überarbeitet und von 25 auf 35 Stunden erhöht. Das bietet den Trägern mehr Flexibilität, die Dauer der Kernzeit an den einzelnen Tagen unterschiedlich zu gestalten“, betonte Matthias Kerkhoff. „Langfristig ist die Finanzierung der Kernzeit von neun Stunden gesichert. Wir schauen aufs ganze Land, um die Kinderbildung sicherzustellen.“
Nach Einschätzung des CDU-Abgeordneten stelle die KiBiz-Reform keine Abkehr von der Qualität frühkindlicher Bildung dar. Ziel sei vielmehr, unter den Bedingungen des Fachkräftemangels verlässliche Strukturen zu sichern, die Finanzierung zu stabilisieren und bürokratische Hürden abzubauen. Gleichzeitig räumte er ein, dass die finanziellen Möglichkeiten begrenzt seien.

„Wir sind sprachlos“: Bianca Vorderwülbecke, Leiterin der Kindertagesstätte St. Laurentius in Elleringhausen, stellt stellvertretend die Kritik und die Forderungen von Erziehern und Eltern vor.
Foto: Claudia Metten
