Werl/Meschede. Es kommt darauf an, in welche Richtung sich die Straßenwärter der Autobahnmeisterei auf den Weg machen: Entweder geht es übers platte Land der Soester Börde oder in die Berge des Sauerlands. „Wir haben alle Höhenlagen“, sagt Meistereileiter Ingo Vieregge. Im Winter bringt das für die Kollegen durchaus unterschiedliche Herausforderungen mit sich. Während in Richtung Brilon Schnee und Eis weit häufiger einen Einsatz erfordern, ist es auf der freien Strecke zwischen Werl und Geseke eher der Wind, der einen Schneeeinsatz zum Kraftakt werden lässt. „Mit dem Start der Autobahn im Winter 20/21 hatten wir mit starken Schneeverwehungen zu tun“, erinnert sich Vieregge. Aber, auch das spüren die Werler: „Die Räumeinsätze nehmen ab.“
Gut 100 Kilometer betreuen die Werler und gehören damit zu den Meistereien, die bei ihren Einsätzen ordentlich Strecke machen. „Auch wenn es nur Abschnitte mit zwei Spuren pro Richtung sind und wir nicht so viele Abfahrtsäste haben, die Länge ist bei uns die Herausforderung“, sagt Benedikt Kretschmer, stellvertretender Meistereileiter. Und damit der lange Weg gerade im Winter nicht zum Risiko wird, gibt es neben dem Gehöft am Waltringer Weg in Werl, das quasi in der Spitze zwischen A44 und A445/A46 liegt, einen Stützpunkt in Meschede-Enste. Auf dem Gelände der dortigen Straßenmeisterei stehen zwei Hallen sowie Büro- und Sozialräume zur Verfügung. Sechs Kollegen betreuen vom Stützpunkt aus die A46 vom Ende der Strecke bei Olsberg bis Arnsberg. Salz laden sie bei den ehemaligen Kollegen von Straßen.NRW, für einen Werkstattbesuch, Materialbeschaffung und natürliche die regelmäßigen Dienstbesprechungen müssen sie nach Werl.
Die Strecke ins „Land der tausend Berge“ bringt nicht nur im Winter Besonderheiten mit sich. Mit drei Tunneln und der höchsten Brücke in NRW sind es die Bauwerke, die die Arbeit besonders machen. Dabei sind sich Ingo Vieregge und Benedikt Kretschmer einig: Die Brücke ist schön, neu und hoch, die Abflüsse laufen aber genauso voll wie auf der alten Ostönner Brücke aus den 1970er Jahren. Für sie sind es die Tunnel, die die Arbeit der Kollegen schwieriger und vor allem gefährlicher machen. „Im Tunnel ist die Gefahrenlage für die Verkehrsteilnehmenden aber auch für uns weit größer als auf der freien Strecke“, sagt Vieregge. Unfälle im Tunnel können schnell zur Katastrophe werden, die tägliche Arbeit ist schon durch die veränderte Geräuschkulisse und die Enge eine Herausforderung. 2025 wurden die Tunnel Olpe und Hemberg saniert – bei einer solchen Maßnahme kommt mit der Baustellenverkehrsführung noch einmal ein Risiko hinzu, denn die Fahrzeuge werden in den Tunneln Olpe und Hemberg in einer langen Bauphase einspurig im Begegnungsverkehr durch eine Röhre geführt. Nach der Sanierung bieten die Röhren mit neuer Technik und helleren Wänden nun mehr Sicherheit für alle Nutzer.
Apropos Sicherheit: Ingo Vieregge klopft auf Holz, dass es in Werl noch keinen tödlichen Unfall gegeben hat. „Schwer verletzte Kollegen hatten wir aber schon genug“, weiß er um die Gefahr der täglichen Arbeit. Umso mehr freut es den Meistereileiter, dass in Werl nun auch „Rambo“ zum Schutz der Kollegen beiträgt. Der sogenannte Anpralldämpfer – eine Anhänger mit besonderen Eigenschaften, einen Aufprall abzufangen – hängt zum Beispiel am Unimog von Frank Struwe. Zwei schwere Unfälle hat er schon hinter sich, „da ist der Hänger in meinem Rücken schon eine Beruhigung, wenn man auf dem Seitenstreifen unterwegs ist“. Lange hat sich Frank Struwe persönlich für die Anschaffung dieses zusätzlichen Sicherungssystems eingesetzt. „Schon vor dem Wechsel zur Autobahn GmbH habe ich das Thema vorangetrieben.“ Dass der gelbe Hänger jetzt seinen Dienst und den seiner Kollegen sicherer macht, ist für ihn ein wichtiger Erfolg.
Viel Arbeit bedeuten – wie bei einigen anderen Meistereien – Ausbau und Sanierung der Gebäude. Eine Remise ist als erstes neu gebaut worden. Auf das Verwaltungsgebäude wird später eine zweite Etage gesetzt – vor allem, um die Situation in den Umkleiden zu verbessern und Sozialräume zu schaffen. Derzeit treffen sich die Kollegen im Winterdienst-Büro, wenn sie eine kurze Pause zwischen den Einsätzen haben. Da kann es schon einmal eng werden. Mehr Platz, das würde auch bedeuten, dass für Frauen eine eigene Umkleide zur Verfügung steht. „Vielleicht fällt es uns dann leichter, auch Frauen für unseren Job zu begeistern“, würden sich Ingo Vieregge und Benedikt Kretschmer durchaus weibliche Verstärkung wünschen. Bis jetzt ist Werl eine reine Männerwelt – „ein tolles Team“, sagen Meistereileiter und Stellvertreter. Aber dass es nur „Jungs“ sind, darf sich in Zukunft nach ihrer Sicht gerne ändern. Denn Nachwuchs können auch die Männer zwischen Börde und Bergen dringend gebrauchen.
Infokasten
Die Autobahnmeisterei Werl ist zuständig für
99,8 Autobahnkilometer,
1 Autobahnkreuz,
19 Anschlussstellen,
3 Tank- und Rastanlagen,
8 PWC-Anlagen (Parkplatz mit WC),
165 Brückenbauwerke
Die betreuten Strecken liegen in Olsberg, Bestwig, Meschede, Arnsberg, Wickede, Werl, Soest, Erwitte, Anröchte, Geseke.

Autobahmeisterei Team Werl
Foto: Susanne Schlenga
