Bundespräsident Steinmeier würdigt die Arbeit von Lokaljournalisten

artikelbild regionalesBerlin. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70) ist bekennender Fan von Lokaljournalismus: „Lokaljournalismus ist nicht nice to have, sondern eine der Säulen, die die offene Gesellschaft der Demokratie tragen und stabil halten“, betonte er am Dienstag, 28.04.2026, beim Empfang von rund 20 Lokaljournalisten aus ganz Deutschland im Schloss Bellevue. Demokratie lebt nicht allein, aber auch von gutem Lokaljournalismus, Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident.

Normalerweise zählen die ganz normalen Leute von nebenan, die Einzelhändler aus den Fußgängerzonen ihrer Kleinstadt, die Schützen und freiwilligen Feuerwehrleute oder die Lokalpolitiker und Bürgermeister zu den Protagonisten ihrer täglichen Arbeit. Nun kamen die 20 Lokalreporter, Themen-Koordinatoren, Redaktionsleiter, Volontäre und Chefredakteure nach Berlin, um das Staatsoberhaupt zu treffen. „Kurz vor Toresschluss“ – bald wird das Schloss Bellevue für mehr als 600 Millionen Euro saniert, sodass Steinmeier für die letzten Monate seiner Amtszeit in einen modernen und funktionalen Neubau umziehen wird – hatte der Bundespräsident die Journalisten in seinen Amtssitz eingeladen. Bei dem rund anderthalbstündigen Besuch machte Steinmeier seinen Gästen in der Galerie des Schlosses bei Kaffee, Wasser und Laugenbrezeln deutlich, wie wichtig ihr Wirken aus seiner Sicht ist.

Egal, ob in seiner Heimatstadt Detmold, Gießen, Hannover oder Brandenburg – er sei jahrzehntelang stets morgens zum Briefkasten gegangen und habe sich die Lokalzeitung an den Frühstückstisch geholt. „Das war für mich immer mehr als ein Ritual. Es war Teil des Ankommens in einen neuen Tag.“ Damals wurde zuerst der Sportteil, dann das Feuilleton aufgeschlagen, später rückte Steinmeiers Fokus mehr und mehr auf die Politik.

Der Bundespräsident unterstrich, dass Lokaljournalismus vor der eigenen Haustür keine Selbstverständlichkeit mehr ist: „Wo es sie gibt, führen Lokalzeitungen einen mutigen Überlebenskampf im Dienste der Demokratie, im Dienste von uns allen.“ Steinmeier: „Wir brauchen Lokaljournalismus mehr denn je. Demokratie gelingt vor Ort – oder sie gerät bundesweit in Gefahr oder unter die Räder.“

Lokalredaktionen sind für ihn „Erklärer, Antreiber, Zuspitzer“, die „Übersichtlichkeit im Nahraum bewahren“. Dieser Nahraum präge das Leben von Menschen in einer Kleinstadt „deutlich mehr als die ganz große Politik“, über die am Abend in der Tagesschau berichtet wird.

„Die Lokalzeitung ist ein wichtiges Stück Heimat“, sagte Steinmeier. Ihr Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu überregionalen Medien: „Was die Lokalzeitung berichtet, lässt sich fast immer an Ort und Stelle auf den Wahrheitsgehalt prüfen.“ Lokaljournalisten müssten damit rechnen, erklärte das Staatsoberhaupt, „dass sie am Morgen beim Bäcker zur Rede gestellt werden“. Lokaljournalismus sei daher „eine kleine, aber wichtige Bastion“ gegen den „Jahrmarkt aus Gerüchten, Behauptungen und Lügen“. Dieser sei „das Gift für jede Demokratie“.

Dieses Gift werde vor allem in den sozialen Medien – Steinmeier bezeichnete sie als „Polarisierungsagenturen“ – versprüht: „Wenn das so weitergeht wie in den letzten zehn Jahren, wenn zwischen einem schnellen Like und lauter Empörung kein Raum bleibt für Zwischentöne, wenn die Suche nach dem Skandal den Blick für das wirklich Wichtige vernebelt, droht ein Kommunikationsinfarkt.“ Steinmeier sieht „Gefahr im Verzug“, denn einen solchen Infarkt habe es in anderen Gesellschaften schon gegeben. Mit Sorge beobachte er, wie die Fähigkeit zum Kompromiss verloren gehe: Die Sprache der Gesellschaft habe sich verändert, „es ist etwas Unversöhnliches hineingekommen“. Steinmeier: „Das Bewusstsein, dass der andere recht haben könnte, geht verloren. Selbst bei der Rettung eines Wals treffen Auffassungen aufeinander, wie ich es mir vor einigen Jahren nicht hätte vorstellen können.“ Doch guter Lokaljournalismus könne seinen Lesern auch Mut machen. „Demokratie lebt nicht allein, aber auch von gutem Lokaljournalismus“, unterstrich Steinmeier.

Der Journalistenempfang fand als Zeichen der Wertschätzung im Vorfeld des Tages des Lokaljournalismus (TdL) am 5. Mai statt. Die Brancheninitiative, ins Leben gerufen von Ippen.Media und der Initiative Drive, soll die Bedeutung und Leistungsfähigkeit lokaler Berichterstattung sichtbar machen und jüngere Zielgruppen ansprechen. Dafür kamen am Dienstag rund 20 Menschen ins Schloss Bellevue, „die sonst nicht im Rampenlicht stehen“, wie Ippen-Digital-Chefredakteur Markus Knall erklärte.DANIEL SCHRÖDER

Lokalreporter2

Lokalredaktionen sind für ihn „Erklärer, Antreiber, Zuspitzer“: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2. von links) im Gespräch mit Lokaljournalisten im Schloss Bellevue.

Foto: DANIEL SCHRÖDER